Unter der Lupe: Cornelia Coenen-Marx im Interview

  1. Stellen Sie sich doch bitte meinen LeserInnen vor. Sie sind selbständig. Was machen Sie beruflich?

frau-coenen-marx-2-150x150Mit meiner Firma „Seele und Sorge“ biete ich Vorträge, Seminare und Coachings an. Drei Themen stehen dabei im Vordergrund: Zum einen „ Sorgenetzwerke und Sorgestrukturen in den Wohnquartieren“; da geht es zum Beispiel um das Zusammenleben der Generationen, um Inklusion von Menschen mit Behinderung oder auch um die Willkommenskultur für Flüchtlinge und in allem um die Zusammenarbeit der Organisationen und Engagierten.

Genauso wichtig ist mir das Thema Unternehmenskultur in der Diakonie; da geht es zum Beispiel um Spiritualität und Ethik in der Pflege. Und schließlich begleite ich Einzelne und Gruppen oder Netzwerke bei der Gestaltung von Übergängen – von der Fusion bis zum Wechsel des Arbeitgebers.

Tatsächlich entstehen aber aus aktuellen Herausforderungen wie der Integration von Geflüchteten oder auch aus ganz neuen Ideen auch neue Angebote und Schwerpunkte. Dazu gehören z.B. meine Rituale-Seminare oder die Diakonischen Pilgerreisen.

2. Wie schnell empfinden Sie Ihr berufliches Lebenstempo auf einer Skala von 0 bis 10? Sind Sie zufrieden damit? Erzählen Sie uns bitte mehr dazu.

Zur Zeit bin ich zufrieden – vielleicht bei einer 5. Als ich mich selbständig gemacht habe, habe ich damit die Hoffnung auf Entschleunigung verbunden; ich war sicher auf der 10 und es hat mich mit einer Krankheit „ aus der Kurve getragen“. Allerdings habe ich gemerkt, dass auch der Aufbau einer Selbständigkeit seine „ Zwänge“ hat und schnell wieder zu neuer Dynamik und Geschwindigkeit führt. Das erste Halbjahr 2016 war schon eher wieder 7 oder 8 😉 Nun übe ich, rechtzeitig zu bremsen.

  1. Mit welchem Tier mögen Sie Ihr Lebenstempo vergleichen? Welche Qualität/Stärke schätzen Sie an diesem Wesen und ist für Ihr berufliches Tun wesentlich? (Geduld, Ausdauer, Kraft … ?)

Mit einer Katze – nicht nur, weil ich Katzen liebe. Sie sind selbständig, geschmeidig und können sich an die Situation anpassen. Wenn nötig, sind sie schnell. Sie können kämpfen, springen und fallen immer – oder jedenfalls meistens- auf die Füße. Sie können aber auch stundenlang vor einem Mauseloch warten, wenn es nötig ist. Geduld, Geschick, Geschmeidigkeit : wahrhaft vorbildlich.

  1. Was heißt wesentlich werden für Sie in Ihrem Business/Ihrer Selbständigkeit?

Ich liebe das Querdenken, entdecke auch immer wieder neue Themen und übe noch, mich auf die Themen zu konzentrieren, die meinen Erfahrungen und Kompetenzen am meisten entsprechen. Und auch die Angebote so zu gestalten, dass Person und Angebot einander dienen.

Angesichts der Tatsache, dass auch Gesellschaft und Markt sich immer weiter entwickeln, bleibt das ein dauernder Prozess. Wesentlich werden heißt für mich und meine Angebote aber auch, den spirituellen Kern – Rituale, religiöse Verankerung, Geschichten, die leiten können, geistliche Begleitung- klar zu positionieren. Deswegen ist dieser Prozess immer auch mit meinen eigenen Glaubens- und Übergangserfahrungen verschränkt.

  1. Erlauben Sie es sich wesentlich zu werden in Ihrem beruflichen Alltag? Was gehört dazu?

Ein Lebenstempo, in dem ich auf mich selbst achten und meine Erfahrungen regelmäßig reflektieren kann. Nein-Sagen zum Beispiel ist bei hohem Tempo schwieriger – auch wenn ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich schneller auf den Punkt komme, wenn weniger Zeit ist.

Vielleicht bedeutet das, der Arbeit –und ich liebe meine Arbeit- den ihr gebührenden Platz einzuräumen, aber nicht mehr. Auch wenn ich natürlich keinen 8-Stunden-Tag habe, versuche ich, die „ Arbeitszeit“ zu begrenzen und mich darin zu fokussieren- und mir daneben Zeit zum Ein-und Ausatmen zu nehmen: für Kultur, Sport, Familie. Tatsächlich fließen ja viele Erfahrungen zurück in die Arbeit. Ich habe das gespürt, als ich mein neues Buch „Aufbrüche in Umbrüchen“ schrieb.

  1. Was ist Ihnen so wichtig, dass Sie es auf jeden Fall durchziehen werden?

Mein nächstes Buch. Es geht um spirituelle Impulse im Älterwerden. Und meine diakonischen Pilgerreisen- auch wenn ich gerade noch nach dem richtigen Format suche.

  1. Was mögen Sie noch erzählen … ? Gibt es ein Motto oder eine Lebensweisheit, die Sie begleitet?

    Wer mit Gott redet, ohne mit den Menschen zu reden, dessen Wort vollendet sich nicht. Wer aber mit den Menschen redet, ohne mit Gott zu reden, dessen Wort geht in die Irre.“
    ( Martin Buber).

3 Responses to Unter der Lupe: Cornelia Coenen-Marx im Interview

  1. „Ich liebe das Querdenken, entdecke auch immer wieder neue Themen und übe noch, mich auf die Themen zu konzentrieren, die meinen Erfahrungen und Kompetenzen am meisten entsprechen.“ Hach! Dieser Satz könnte glatt von mir stammen 😉 Ich freue mich sehr über das Interview – nicht nur, weil ich das Buch am Wochenende grad gelesen habe. Nicht nur, weil das Thema des Buchs ebenso umfassend wie wichtig ist: Nicht nur, weil mein Buchexemplar mittlerweile voller Anmerkungen steckt (und ich noch gar nicht so recht weiß, wie ich damit umgehen soll…) Nicht nur, weil ich spüre, wie schön es ist, dass uns drei die Suche nach dem richtigen Lebenstempo verbindet (wobei es alles andre als ein Zufall ist, dass wir über 50 sind…) Nicht nur, weil der oben zitierte Satz für mich auch ganz viel mit dem Älterwerden zu tun hat (was aber vermutlich nur versteht, wer selbst die „Sollbruchstelle 50“ hinter sich hat….)
    Aus all den Gründen freue ich mich über dieses Interview – danke!

    Herzlichen Gruß
    Maria Al-Mana

  2. […] vorherigen Artikel habe ich Frau Coenen-Marx im Interview […]

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