2 Tage als Brigitte-Laien-Model in Schleswig-Holstein

Vor über einem Jahr habe ich mich beim Frauenmagazin „Brigitte woman“ als Model beworben. Eine befreundete Fotografin meinte: Du hast tolle Haare, bist fotogen … bewirb Dich mal als Model 50+. Gesagt – getan. Immer wieder gab es Anfragen und dann wieder Absagen. Bis zu diesem Sommer als es hieß: Wir laden Sie ein zu einem Shooting für Strickmode. Eine Heft-Beilage wird entstehen zum Nachstricken.

Meine Model-Partnerin: Claire – sie schreibt in ihrem eigenen Blog und für die Vogue online.

Claire, es hat viel Spaß gemacht. Du hast mich beeindruckt, wie gut Du das Modeln kannst. Sehr souverän sah das aus! 🙂

Wie hatten zwei interessante Tage: Mit dem Kleinbus ging es um 8 Uhr morgens ungeschminkt und mit frisch gewaschenen Haaren auf die Autobahn zur Arche Warder. Hier begegnete uns ein skeptischer Leiter des Hofes, der mit viel Enthusiasmus Studenten, Schüler und Doktoranden begleitet rund um die bedrohte und hier beschützte Tierwelt. Wir waren umgeben von dicken Wollschweinen und deren Ferkeln, Hühnern, Lämmern, Schafen. Es blökte und mähte und kikerikite …

2 Stunden dauerte alleine das Schminken und Stylen der Haare. Ich habe anfänglich freundlich rumgezickt: Ich wollte keinen Mittelscheitel und auch keine zusätzlichen Haarteile in meinem Haar. Wieso hat man mich als Model gewählt, fragte ich mich, wenn man mich derart verändern will? Gewöhnungsbedürftig war für mich auch der sehr große und rot geschminkte Mund. Hui 😉

Lustig und spannend war das „Verkleiden“. Die Grundgarderobe war stets aus Jeansstoff: Hosen, Röcke, Overalls, Blusen. Dazu gesellten sich dann herrlich gestrickte Pullover, Jacken, Westen, Mützen, Handschuhe und ein dicker gelber Schal.

Unsere Erfahrungen mit den Tieren: Es kommt immer anders als man denkt und schon gar nicht so wie wir uns das wünschten. In einem Foto sollte ich idealerweise von 100 Gänsen umringt sein. Tja. Die Gänse mochten alles andere aber nicht bei mir sein. Sie liefen in alle Himmelsrichtungen weg. Mit den Eseln hatten wir mehr Glück. Der Hahn hat anscheinend auch pariert mit unserem männlichen Model und unser großes Schaf folgte aufs Wort. Fast. Claire hatte ihre liebe Mühe.

Dem gesamten Team wünsche ich weiterhin viel Erfolg mit tollen Shootings, wenig Stress und netten Models.

Die Location: Arche Warder in Schleswig-Holstein: Europas größtes Zentrum für seltene und vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierrassen.

Das Hotel: Mein Lieblingshotel Wedina in St. Georg in Hamburg.

Der Fotograf: Philipp Rathmer

Die Redakteurin: Joana Claro

Der Stylist: Armin Vogl

Die Fotostrecke ist leider nicht veröffentlicht worden. Das hat vielleicht auch mit der neuen Ausrichtung zu tun: Mit dem neuen Redakteur wird nun wieder auf professionelle Models gesetzt. Der Spiegel hat dazu vor kurzem geschrieben. Mir hat es Spaß gemacht. Danke ans Brigitte-Booking für diese Erfahrung.

4 Responses to 2 Tage als Brigitte-Laien-Model in Schleswig-Holstein

  1. katzenkopf sagt:

    … ein wirklich netter artikel, erfrischend und so richtig aus dem leben ! vor allem konnte man richtig mitfühlen, wie enttäuschend es dann doch gewesen sein musste, als die fotostrecke nicht erschie-nen ist. aber das macht nichts, wichtig war und ist etwas ganz anderes. die vielen eindrücke im zeitraffer, genannten orten und menschen begegnet zu sein. deine geschichte hat mich sehr amüsiert, aber auch zu einer beruflichen entscheidung veranlasst. nämlich, in diesem leben kein model zu werden, auch nicht 50+ !!! häufige „ebbe“ auf dem konto und die lust, noch mal oder mal wieder was neues zu erleben, haben mich u.a. das „modeln“ in erwägung ziehen lassen. infiziert von der heidi-klum-staffel, aber auch ausgestattet mit einem gesunden selbstbewusstsein, was die hülle meiner person betrifft, tummelte ich mich irgendwann auf den portalen diverser modelagenturen, die sich auf 50+ spezialisiert hatten. der aufwand, professionelle fotos machen zu lassen und diese irgendwo einzureichen, war mir dann doch zu groß und so stellte ich meinen traum, samt portrait auf einer plakatwand zu erscheinen, erst einmal zurück. und dann passierte einschneiden-des: ich lief einem kamerateam vom hr in die arme, als wir beide zufällig ? am ort des geschehens erschienen waren. an diesem ort war von jetzt auf gleich ein baum auf einen kinderspielplatz gestürzt – gottseidank ohne personenschäden. zu einem interview liess ich mich gerne überreden, aber als die kamera auf mich zukam, spürte ich dieses unwohlsein, was mich schon immer überfiel, wenn man mich ablichten wollte. meine gesamten nervenfasern verkrampften sich, ich schien regelrecht zu erstarren. ein zurück gab es nicht mehr, das interview hatte begonnen, die kamera lief. als das interview gesendet werden sollte, verdrängte ich die sendezeit und schaute mir das ganze online auf dem live-stream an. ich war im interview nicht berücksichtigt worden. erst ein aufatmen und die gewissheit, dass mich keiner gesehen und gehört hat. aber dann die enttäuschung und aufkommende fragen, weshalb hat man mich herausgeschnitten, war ich nicht fotogen genug, habe ich einen solch schlimmen eindruck hinterlassen ? mein selbstbewusstsein war im keller und das eigentliche thema nicht mehr präsent. aber drüber geschlafen war der frust geschmälert. wieder unter menschen angekommen, stürzte ein bekannter auf mich zu und schilderte mir ganz aufgeregt, dass ich im fernsehen zu sehen war. jetzt hatte ich mich doch damit abgefunden, nicht erschienen zu sein und nun ? das interview wurde auf zwei verschiedenen kanälen in unterschiedlichen versionen gesendet. was war ich gespannt ! vor allem auf meine aussenwirkung … ich war zunächst entsetzt. die kamera hatte mich als portrait gezoomt, ungeschminkt, vom wind zerzaust, ich konnte nicht nur jeden pickel sehen, sondern vor allem meine verkrampftheit. noch schlimmer: fokusiert war meine „schlechte gesichtshälfte“. professionelle fotografen wissen darum und die kunst ist es, alles zu tun, um genau diese seite des gesichtes in das rechte licht zu rücken. es war, als ob man mich nackt auf dem klo sitzend erwischt hätte. interessant ist ja, dass dies anderen gar nicht so auffällt, aber MIR war es nicht entgangen – die tatsache, dass ich völlig ungeeignet bin für ein leben vor der kamera – ein für allemal ! und wenn ich mir dann noch vorstelle, wie mehrere hände an mir herumziepen, -kleistern, -sprayen und mich zu guter letzt noch in ein outfit zwängen, für das tiere ihr leben und näherinnen ihre menschenwürde lassen mussten …
    ich verlasse mich auf meinen spiegel, der mir hin und wieder sagt: „man siehst du heute super aus“

    • Hallo Katzenkopf, vielen Dank für Ihre interessante Geschichte rund ums Model-sein oder eben auch „nie-mehr-sein-wollen“. Das ist doch ein wunderbarer Satz, den Sie sich vor dem Spiegel sagen können: Frau, siehst Du heute super aus! 🙂

      In diesem Sinne. Herzliche Grüße.

  2. Heike Tharun sagt:

    Schöne Fotos, liebe Petra Schuseil! Als Landlebenkennerin frage ich mich beim letzten Foto: Wie kamen Sie mit diesen Schuhen über diese Wiese bis dort hin, wo Sie sind – ohne ein Krümmelchen an den schicken Pumps? Brigitte Wonder World 🙂 Herzliche Grüße Heike Tharun

    • Hallo liebe Heike Tharun, AHAAAA … jajaaaaa … gute Frage! Ich habe mich natürlich verweigert auch nur einen Schritt in diesen schicken Schückelchen zu laufen 😉 … um an dieses Plätzchen zu gelangen hatte ich natürlich ordentliche Wandertreter an. Fürs Shooting zierten dann diese entzückenden Highheels meine Füße. Was frau nicht alles erlebt!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s