Wovon wir träumten

So beginnt das Buch „Auf dem Schiff waren die meisten von uns Jungfrauen“ …. sie waren versprochen an Männer in Amerika, die sie nicht kannten … und träumten von schönen Häusern, eleganten Kleidern, einem besseren Leben als in Japan.

Das letzte Kapitel muss ich noch lesen. Ich fürchte mich davor, gebe ich zu. Ich befürchte, es kommt noch schlimmer als das, was ich bisher gelesen habe. Dabei liest es sich schnell. Man ist betört und will Seite um Seite mehr erfahren, wie es ihnen geht: den anmutigen und starken Frauen, die gefangen sind im wahrsten Sinne des Wortes. Der besondere Stil des Buches: Die Autorin zählt auf. Seitenweise im gleichen Duktus. Und doch ist da die gesamte Tiefe zu erspüren, weil ein Satz mehr als 1000 Worte erzählt: Einige von uns auf dem Schiff konnten …. eine von uns auf dem Schiff … Eine von uns sprang …. eine andere von uns verliebte sich …. Einige von uns auf dem Schiff waren … undsofort …. irgendwann landen sie in San Fransisco und sehen den Mann, mit dem sie ihr Leben verbringen werden.

Bei amazon heißt es über die Autorin: Julie Otsuka hat ein elegantes kleines Meisterwerk geschaffen, das in ebenso poetischen wie präzisen Worten eine wahre Geschichte erzählt. Wovon wir träumten verzauberte bereits die Leser in den USA und England, stürmte dort die Bestsellerlisten, wurde von der Presse hymnisch gefeiert, mit dem PEN / Faulkner Award 2012 ausgezeichnet und für zwei weitere große Literaturpreise nominiert; die Übersetzungsrechte sind inzwischen in zahlreiche Länder verkauft.

Sehr lesenswert! Ein preisgekrönter Roman über eine wahre Einwanderungsgeschichte!

One Response to Wovon wir träumten

  1. Petra sagt:

    Das letzte Kapitel ist nicht schlimm aber traurig. Es könnte den Titel tragen „aus den Augen aus dem Sinn“. Interessant ist auch, dass der Blick nun von den Zurückgebliebenen – beschämt, fragend, irritiert – riskiert wird – und nicht mehr aus der Sicht der japanischen Frauen. Sie sind weg. SIe mussten aufbrechen zu einem unbekannten Ziel. Die Häuser stehen leer. Ihre Jobs als Gärtner, Köchin, Haushälterin, Näherin werden nun von anderen übernommen: von Menschen aus Afrika, Mexiko, China. In diesem letzten Kapitel kann man nur vermuten, wie es den „Verschleppten“ geht. Es gibt Wortfetzen aus Briefen, in denen Hoffnung auf ein Zurück drin steckt. Sie werden aber nicht zurückkehren … wo auch immer sie landeten: In den Bergen? In der Wüste? Bald sind sie gar nicht mehr in den Köpfen ihrer Nachbarn, Freunde, Kunden und Arbeitgeber, die in der amerikanischen Stadt zurück bleiben. Die verschleppten japanischen Menschen wurden vergessen. Man hatte befürchtet und unterstellt, dass sie „Böses“ im Schilde führen. In diesem Buch erinnert die Autorin an ihr „da-gewesen-sein“. Sie hat der Jurorin des PEN / Faulkner Award „einfach das Herz gestohlen“.

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