Auf Du und Du mit dem Lebenstempo: 23. Ellen Löchner. Lehrerin und Du. Raum. – Platz zum Leben.

1. Stellen Sie sich bitte kurz meinen LeserInnen vor.
Ich heiße Ellen Löchner, bin 44 Jahre, seit zwei Jahren selbstständig mit der Wohnberatung Du. Raum. Außerdem Lehrerin für Kunst und Musik mit mehreren Steckenpferden.

2. Was bedeutet für Sie Lebenstempo?
Mein Lebenstempo wird bestimmt durch ein Zitat von Hermann Hesse, das ich wirklich gut finde: Damit das Mögliche entsteht, muss jeden Tag das Unmögliche versucht werden.

3. Wie schnell empfinden Sie Ihr Lebenstempo auf einer Skala von 0 bis 10? Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Tempo? Inwiefern?
Auf der Skala bin ich bei Acht, nicht im Durchschnitt, sondern konstant. Mit dieser Konstante bin ich sehr zufrieden. Mal kurz auf Zehn geht, macht aber keinen Spaß. Alles unter Acht ist langweilig!

4. Wenn Sie etwas verändern könnten … was soll sich ab morgen ändern?
Ab morgen … soll meine Arbeit in der Schule nur noch sinnvolle Tätigkeiten umfassen: Einzelförderung, Projekte mit externen Institutionen, Arbeitsgemeinschaften. Dafür dauert sie nur noch halb so lange und ich kann den Rest meiner Arbeitszeit mit aufgeschlossenen Kunden von Duraum verbringen. An dieser Vision reizt neben der sinnerfüllten Arbeit vor allem die klare Aufteilung.

5. Mit welchem Tier würden Sie Ihr Lebenstempo vergleichen?
Mit einem Puma. Er ist ausdauernd: Sein Streifgebiet kann bis zu 1000 Quadratkilometern groß sein. Und er gibt eine Menge unterschiedlicher Laute von sich. Er kann ganz schön schnell laufen (72km/h) und mutige Sprünge machen (5,5m), tut das aber nur im Notfall.

6. Gibt es ein Bild oder ein Musikstück, das Ihr Lebenstempo beschreibt oder das Ihnen hierzu spontan einfällt?
Immer noch eines meiner Lieblingsstücke: Mahlers erste Sinfonie. Da ist alles an Tempo und Dynamik drin und jede Menge Ironie. Auch stark motorisch geprägte Stücke, z.B. von John Adams „Fearful“. Mir nie wieder Zeit aus den Rippen schneiden zu müssen, das wäre schön. „symmetry“ passen zu mir und wirken auf mich an- aber nicht aufregend.

7. Wie entschleunigen Sie am wirkungsvollsten? Worauf achten Sie besonders?
Sie ahnen es: im Garten. Manchmal habe ich gar keine Lust und will nur ein bisschen gucken und zupfen. Zwei Stunden später komme ich dann mit dreckiger Hose, angenehm leerem Hirn und vollem Energietank zurück. Außerdem finde ich Gespräche mit meinem Lebensgefährten oder guten Freunden sehr entspannend. Oft höre ich zu; manchmal werden Pläne gesponnen. Auf jeden Fall verabschiede ich mich sofort vom Tagesgeschäft, wenn mir ein interessanter Mensch gegenüber sitzt. Ich achte darauf, beides regelmäßig zu bekommen: Gespräche und Gärtnern.

8. Mir ist bewusst, dass “Berufung leben” ein hohes Ziel ist. Ich will es gleich setzen mit “Sinn finden “. Dann ist das eigene Lebenstempo gestaltbar. Wie denken Sie dazu?
Das finde ich sehr gut ausgedrückt. Wenn ich das tue, was ich am besten kann oder/und gerade am meisten brauche, vergeht die Zeit, ohne dass ich es bemerke oder bedauere. Flow, bzw. die Gelegenheit dazu.

9. Ich habe gelesen, dass wir Kriterien für das “Genug” definieren müssen, um zeitsouverän zu werden. Was fällt Ihnen hierzu ein?
Das ist eine schwierige Frage. Dahinter steckt die Idee, dass wir Erwerbsarbeit leisten, um damit Zeit für uns selbst, Freizeit, zu erkaufen. Wenn die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit fließend wird, sind wir zeitsouverän. Dafür müsste die Arbeit anders bewertet werden – und die Freizeit auch.

10.  Was mögen Sie uns noch erzählen … ? Gibt es ein Motto, eine Lebensweisheit, die Sie uns verraten?
Neben dem pathetischen Spruch von Hermann Hesse aus der Frage 2 eine Maxime von meinem sehr geschätzten Siebdruck-Lehrer Wolfgang Rüppel: Alle Farben sind schön.
Meine Grundhaltung bezeichne ich gerne als „grundlos optimistisch“. Wenn es klingelt und ich erwarte niemanden, dann könnte es für mich immer der Bote mit dem Lotterie-Gewinn sein – und nicht der Gasmann.

One Response to Auf Du und Du mit dem Lebenstempo: 23. Ellen Löchner. Lehrerin und Du. Raum. – Platz zum Leben.

  1. Liebe Frau Löchner, herzlichen Dank für Ihre wundervollen Antworten. Ich wünsche Ihnen sinnvolle Aufgaben in Ihrer Schule und aufgeschlossene Menschen die sich „Platz zum Leben“ wünschen.

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