An der Wurzel packen?

In meinem aktuellen Newsletter geht es um „Wurzeln“. Letzten Sonntag im Gottesdienst war ich ganz Ohr: Ein letztes Mal wollte ich in der Kirche sitzen, in der ich vor 6 Jahren getraut wurde. Unser Pfarrer sprach uns Mut zu, einen Neubeginn zu wagen, wo etwas festgefahren ist. Dann kommt etwas Neues in Schwung. Es geht nicht immer um „den großen Wurf“: einen Ortwechsel oder eine radikale Lebensveränderung. Manchmal ist es etwas Naheliegendes. Es steht längst an, dem Chef oder dem Partner zu sagen “ so geht es nicht länger gut „, „wir müssen etwas verändern“. „Ich will etwas verändern“, ist ein starker Wunsch. Indem man sich traut, Festgefahrenes zu kippen, wird neue Energie frei. Das haben Sie sicher auch schon erlebt. Wenn man die Chance beim Schopfe packt, ist Veränderung möglich. Dann ist es wichtig, an der Wurzel anzusetzen und sie zu packen.

Der Übergang vom Winter in den Frühling ist ein ganz besonders intensiver Umbruch. Das, was in der Erde schlummerte und sich in der Kälte zurück gezogen hat, kommt nun in kleinen Schüben zum Vorschein. In der Schweiz werde ich lernen, unseren Garten zu hegen und zu pflegen. Unsere Vermieterin empfahl mir beim Aufräumen der Beete darauf zu achten, dass ich keine Wurzeln aus der Erde ziehe, auch wenn sie jetzt wie Unkraut aussehen. Wer weiß was da Schönes im Frühling zum Vorschein kommt, meinte sie mit einem Augenzwinkern. Wenn ich aber an der Wurzel ziehe, ist da ein Loch. Ein Nichts. Wie will ich es füllen?

Die Menschen, die mir lieb geworden sind, werden mir fehlen, wenn ich in die Schweiz umziehe. Ich kann sie nicht einfach aus meinem Herzen rupfen. Sie werden eine Lücke hinterlassen. Ich kann und will sie nicht auf die Schnelle neu füllen. Ich werde wieder netten Menschen begegnen. Aber neue Beziehungen brauchen Zeit. Das Alte und Vergangene will behütet werden. Manches kann auch los gelassen werden. Wenn Raum geschaffen ist, dann kann das Neue wachsen.

Diskutieren Sie mit mir: Wann macht es Sinn die Wurzel zu packen?

4 Responses to An der Wurzel packen?

  1. Bel sagt:

    Hm, die Wurzel packen und rausreissen – eine interessante Frage auch für mich, die ich gerade auch im Umbruch bin – was lasse ich los, was nehme ich mit? Was ist Unkraut, was nicht?

    HIer, was mir dazu einfällt: Was ich persönlich getrost weg lassen kann sind die Sachen, wo ich seit längerer Zeit die Erfahrung gemacht habe, dass sie Unkraut sind und trotz aller Hege und Pflege keine schönen Blumen werden. ZB: Dem Chef wurde häufig gesagt, dass es so nicht länger geht und Veränderung notwendig ist – und trotzdem ändert sich nix. Unkraut ist für mich auch, was andere Blumen stranguliert, so dass sie keine Luft oder Wasser bekommen. Zu viel Arbeit in meinem persönlichen Fall, die keinen Raum für anderes lässt. Oder die zu viel von meiner Energie nimmt, so dass ich abends nur erschöpft ins Bett sinke.

    Aber sonst? Gärten finde ich persönlich umso schöner, je mehr Blumen es gibt. Ich liebe Vielfalt, und mein Staunen ist länger und grösser, je mehr Sorten und Varianten vor meinem Auge stehen oder hängen oder kriechen. Je mehr Blumen, desto weniger Platz hat jede einzelne, das stimmt. Sprich, wo vorher 5 qm Tulpen standen, sind es jetzt vielleicht nur noch 3qm, dafür 2qm mit anderen Blumen. Tulpen sind meine Lieblingsblumen, daher würden sie bestimmt immer 3 qm kriegen in „meinem Garten“. Und auch Jahreszeiten können wechseln – Tulpen blühen nur im Frühjahr, also sollte eine später blühende Pflanze vorbereitet werden, die dann später im Jahr blüht und mich erfreut.

    Ein schönes Sinnspiel mit dem Garten – da wird mir ja selber ganz viel klar!

    • Hallo liebe Bel, danke für Ihre Gedanken. Ich freue mich, dass Ihnen durch die Metapher „Lebensgarten“ viel klar wird. Gerade jetzt kann man überall bunte Tulpen kaufen. Tulpen sind so grazil und leider nur kurz präsent. Geniessen Sie es. Herzliche Grüsse.

  2. Heike Tharun sagt:

    Liebe Petra Schuseil, ich habe darüber nachgedacht. Ich glaube, man erwischt nie die ganze Wurzel, selbst wenn man an ihr packt. Es bleibt immer etwas zurück – im Boden und im Herzen. Es bleibt die Möglichkeit offen, dass irgendwann wieder etwas keimt.. und wenn es Jahre dauert. Das ist meine Erfahrung als in der Natur Verwurzelte. Liebe Grüße an einem „Mittwoch auf Abwegen“ 🙂

    • Hallo liebe Heike Tharun, ein interessanter Gedanke. Es erinnert mich an die Homöopathie … ein Teil von mir wirkt weiter in Frankfurt … und ich nehme Frankfurt in meinem Herzen mit. Ich hoffe Sie geniessen Ihre Mittwochs. Viel Glück und Erfolg. weiterhin.

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