Habemus Papam: Ich bin dafür nicht geschaffen

Gestern habe ich den Film „Habemus Papam“ gesehen. Waren Sie auch schon drin? Ich hatte mich nicht besonders auf den Film vorbereitet, habe lediglich den Trailer gesehen und war gespannt auf den Film und den wunderbaren Michel Piccoli. Er wird gleich zu Anfang zum neuen Papst gewählt und schafft es nicht, in seiner neuen Rolle die Menschen zu begrüßen und zu segnen vom obligatorischen Balkon. Wir sehen einen Mann, der überfordert ist mit seiner neuen Aufgabe und wie gelähmt ist ob seiner „Berufung“. Er flieht aus dem Vatikan und begibt sich auf die Straßen Roms, hört den Menschen zu, hält in einem Bus Selbstgespräche. Bei einer Psychoanalytikerin konfrontiert er sich das erste Mal mit seiner Vergangenheit und kommt immer mehr ins Grübeln und auch ins Staunen. Schauspieler wollte er eigentlich werden, hören wir und wie der Zufall es will, trifft er in dem Hotel, in dem er übernachtet, auf eine Schauspieltruppe. Er kann das Stück auswendig und blüht auf, wenn er die Verse hört.

Die Kardinäle, die ihn gewählt haben, holen ihn dort ab wo er sich gerade „zuhause“ fühlt während der Aufführung seines Lieblingsstücks Tschechows Möwe – in einem Schauspielhaus.

Bevor der Schlussakkord des Films gezeigt wird, läuft bei mir ein innerer Film in die Richtung: Er hat sich in den wenigen Tagen außerhalb des Vatikans auf seine neue Aufgabe besonnen, hat Kraft gesammelt für das was vor ihm liegt, hat noch einmal die Freiheit genossen als ganz normaler Mann und Mensch unterwegs zu sein und wird nun auf dem Balkon vor den Menschen eine unvergessliche Rede halten.

Diese Rede ist auch unvergesslich! Aber! Der Papst sagt, dass er viel über sich nachgedacht hat und zu der Entscheidung und Weisheit gelangt ist, dass er für die Aufgabe nicht geeignet ist. Er hat nicht die Kraft andere Menschen zu leiten und zu führen und verlässt den Balkon.

Wie wunderbar erlösend, dachte ich mir. Was ein Mut und eine Kraft, diese Worte zu sagen. Im wahren Leben wird dies sicher nie vorkommen, denn ein Papst hat seine Aufgabe zu erfüllen. Ich weiß es nicht, ob es Paragraphen gibt, die seine Heiligkeit vor seiner Aufgabe entbinden können. Aber das, was wir hier im Film sehen, ist meiner Meinung ein Appell an die Menschen, die jeden Tag Leistungen erbringen, für die sie eigentlich nicht geschaffen sind. Dieser Film ermutigt dazu NEIN zu sagen. Dieser Film motiviert, dass Führungskräfte ihre eigenen Fähigkeiten genau einschätzen und sich darüber klar werden, ob sie Mitarbeiter führen können. Es gibt Menschen, die sind wunderbar geeignet in einer Expertenrolle zu arbeiten aber gar nicht geeignet, Mitarbeiter zu führen. Wie viele Menschen halten Situationen aus, denen sie gar nicht gewachsen sind? Erst eine Krankheit oder eine Erschöpfungsphase lässt die Wahrheit leichter sagen: Ich bin dafür nicht geschaffen. Ich kann das nicht.

Ich finde den Film sehr sehenswert, auch wenn einige langweilige Passagen in dem Film vorkommen. Dieser Papst hat im Film auf sein Lebenstempo geachtet und neu entdeckt. Mich rührt die Art und Weise sehr an wie Michel Piccoli als Papst seine Zweifel und sein Dilemma zum Ausdruck bringt.

Sehen Sie hier den Trailer und lesen Sie hier eine Kritik aus der Zeit online.

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