Wie halten Sie es denn mit dem Ewigkeitssonntag? Den Löffel abgeben ….

Wussten Sie, dass jeden Sonntag um 9.30 im ZDF ein Gottesdienst ausgestrahlt wird. Ich wurde aus einem ganz besonderen Grund darauf aufmerksam. Deshalb habe ich heute eingeschaltet. Ich war neugierig. Meine Freundin und Pfarrerin Annegret erzählte mir, dass dieser Gottesdienst im Fernsehen für viele Menschen wichtig ist. Und mir leuchtet ein: Wenn ich krank bin oder mal keine Lust habe in die Kirche zu gehen oder gar gehbehindert, dann kann ich den Fernseher einschalten, zünde eine Kerze an und höre zu. Der heutige Gottesdienst erstrahlte aus der Berliner Marienkirche. Man hat sich zum Ewigkeitssonntag etwas Schönes einfallen lassen. Ein Tänzer, der Totentänzer, war neben dem Pfarrer die Hauptfigur. Er tänzelte und bewegte sich geschmeidig zur sanften Musik. Gemäß dem Motto: „Gedenke, dass du sterben musst, ruft der Totentanz den Lebenden zu“ … Lesen Sie hier zum ZDF-Gottesdienst mehr.

Dass ich heute am Ewigkeits- und Totensonntag schreibe und diesen Tag wertschätzen mag, hat damit zu tun, dass uns überall schon die „frohe Weihnachtsbotschaft“ entgegenleuchtet. Heute ist aber erst der 20. November …. Herbst …. der Monat für die Trauer, für das Erinnern an unsere Verstorbenen … Und das mag ich deutlich machen. Ich drücke die Stopp-Taste. Es ist noch nicht Weihnachten! Und Advent beginnt erst am kommenden Wochenende!  Der Pfarrer in der heutigen Sendung hat es ganz schön formuliert: In unserer Gesellschaft hat die Trauer keinen Platz. Es soll „schnell wieder gut sein“. Deshalb kriegt der Ewigkeits- und Totensonntag an dieser Stelle ausreichend Raum. Wir dürfen es auch mit Humor nehmen, wenn uns danach ist. Meine Freundin Annegret schreibt dazu ganz passend in ihrem „Blog für die zweite Lebenshälfte“ und sucht nach Synonymen für das Wort „Sterben“. Klicken Sie mal hin. Abkratzen, das Zeitliche segnen, dem Totentänzer folgen …. abnippeln. Was fällt Ihnen denn so ein? Und wie halten Sie es heute mit dem Ewigkeitssonntag? Vielleicht freut sich jemand über Ihren Anruf oder Ihren Besuch? Vielleicht sollten wir jetzt hier nicht mehr im Internet bloggen und schreiben sondern uns persönlich zeigen? Das war eine der Botschaften, die der Berliner Pfarrer uns heute mit auf den Weg gibt. Auch: den Terminkalender nicht allzu vollstopfen. Deshalb. Ich mach jetzt den Laptop wieder aus und telefoniere … ich verrate aber nicht, wen ich jetzt anrufe. Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag – es ist Totensonntag bzw. Ewigkeitssonntag!

3 Responses to Wie halten Sie es denn mit dem Ewigkeitssonntag? Den Löffel abgeben ….

  1. Liebe Frau Schuseil,

    der Tod … und die Macht, die Sie in der Werte-Praxis aus Ihrer Sicht beleuchten, gehören für mich unbedingt zusammen.
    Dass wir alle sterben müssen (vielleicht morgen im Auto), ist der Grund, sich nie allzu mächtig zu fühlen. Kein Hinderungsgrund, die kleine, ich will sie mal „persönliche“ Macht nennen, zu nutzen!

    Der Spruch von Hermann Hesse, der an an der Tür meines Arbeitszimmers hängt, drückt das aus: „Damit das Mögliche entsteht, muss jeden Tag das Unmögliche versucht werden.“ Das ist für mich ein Aufruf, sich jeden Tag bis an die Grenze zu erproben, an kleinen und großen Dingen. Da geht es um die Macht, Dinge zu tun und zu verändern. Die Allmacht des Todes ermuntert mich dazu, meine persönliche Macht jeden Tag auszuschöpfen für das, was ich für sinnvoll halte.

    Passenderweise hat mich eine Erkältung für heute und wohl auch noch morgen entmachtet. Ich sitze hier, alles tut weh und ich kann gar nichts. Zeit zum Nachdenken.

    Herzlichen Dank für die Anregungen und viele Grüße

    Ellen Löchner

  2. Petra sagt:

    Liebe Ellen Löchner, zunächst gute Besserung. Ich hoffe, es geht Ihnen schon wieder besser. Danke für Ihre Gedanken. Ich überlege, was es bedeuten könnte: Das Unmögliche zu versuchen … denn ich spüre darin eine große Anstrengung. Ich bin nicht dafür, dass alles leicht gehen soll. Ich fände ein anderes Wort allerdings sympathischer … und vielleicht müssen Sie sich auch nicht jeden Tag bis an die Grenzen erproben? Vielleicht 1 x wöchentlich? SEhr herzlich. Petra Schuseil

  3. Liebe Frau Schuseil,

    danke für die guten Wünsche, ich bin wieder besser drauf. Ein ruhiger Montag zuhause hat mir sehr gut getan. Sie haben ja so recht. Das Unmögliche ist natürlich ganz Hesse geschuldet, für mich täte es auch „das Beste“ ;).
    Die Grenze ist jeden Tag woanders, ich versuche aber, alles möglichst aufmerksam zu tun und die Unterschiede zum Tag davor wahrzunehmen. Anstrengung ist jeden Tag dabei, ist aber auch wohltuend; man merkt, dass man lebendig und energiegeladen ist.
    Heute habe ich mal wieder eine Grenze überschritten und ein Kameratraining mitgemacht für den späteren elevator pitch vor 120 XING-Leuten in Mainz. Sich selbst zu beobachten ist ganz schön herausfordernd. Mir hat die geistige Brücke geholfen, dass ich nur meine Haltung ändern muss, um vor so vielen Leuten zu sprechen. Ich muss gar keine Andere werden, das ginge auch gar nicht. Die eigentliche Ansprache lief dann ganz locker, die Grenzüberschreitung lag weit davor.
    Es sind natürlich die kleinen Grenzen, die ich meine, das kleine Unmögliche.

    Vielen Dank für Ihren Anstoß, präziser zu sein und mich selbst nicht so tierisch ernst zu nehmen.

    Ich freue mich sehr darauf, Sie am Samstag wieder mal zu sehen!

    Herzliche Grüße, Ellen Löchner

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