Auf Du und Du mit dem Lebenstempo: 22. Melanie Meier und ihre Tanzschule

1. Stellen Sie sich doch bitte kurz meinen LeserInnen vor.
Mein Name ist Melanie Meier und ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht: Ich leite eine Schule für Orientalischen Tanz/Bauchtanz, Samba, Bollywood-Tanz und Tribal Style Dance in Frankfurt-Bockenheim – OT pur. Über mein Alter möchte ich als Tänzerin lieber schweigen ;), ich habe aber eine achtjährige Tochter und einen Mann, mit dem ich seit über 16 Jahren in wilder Ehe zusammenlebe). Ich bin eigentlich Diplom-Landschaftsökologin, habe eine Fernlehre zur Qualitätsmanagement-beauftragten im Gesundheitswesen und in sozialen Einrichtungen gemacht und in diesem Beruf einige Jahre gearbeitet. Seit 2008 betreibe ich meine Tanzschule, erst nebeberuflich, seit Mai 2010 hauptberuflich.

2. Was gehört für Sie zum Lebenstempo dazu?
Puh, Petra, das kann ich gar nicht beantworten… Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, wenn ich ehrlich bin, verstehe ich die Frage gar nicht. Vielleicht kannst Du mir das noch ein bischen erläutern?

3. Wie schnell empfinden Sie Ihr Lebenstempo auf einer Skala von 0 bis  10? Sind Sie mit Ihrem derzeit zufrieden?
Seit der Eröffnung meiner Tanzschule befinde ich mich bei 15, würde ich sagen. Die Zeit rast. Die Zeit, stehenzubleiben und durchzuschnaufen, habe ich gar nicht und vermisse sie bisher auch nicht. Mir ist aber bewußt, dass ich dieses Tempo nicht mehr lange werde halten können.

4. Wenn Sie etwas verändern könnten … was soll sich ab morgen ändern?
Ich würde gerne mehr Zeit für meine Tochter haben, nicht, weil ich diese Zeit bräuchte, sondern sie… Das schlechte Gewissen gegenüber meiner Tochter nimmt praktisch stündlich zu. Ich glaube, dass ich diese Situation durchaus ändern könnte, gehe aber in meiner Arbeit so auf, dass ich nur selten den Wunsch dazu verspüre. Ich bin das, was man eine Rabenmutter nennt. Und ich habe Angst davor, was uns das bringen wird…

5. Mit welchem Tier würden Sie Ihr Lebenstempo vergleichen?
Ich bin eine Maus – ständig am Wuseln. Immer unruhig, ja fast schon nervös. Nicht in der Lage, die Finger von der Arbeit zu lassen und sich auf das Sofa zu legen. Trotzdem aber sehr konzentriert, genau wissend, was gemacht werden muss. Mäuse halten keinen Winterschlaf, oder? Ich tue das zumindest nicht.

6. Gibt es ein Bild oder ein Musikstück, das Ihr Lebenstempo beschreibt oder das Ihnen hierzu spontan einfällt?
Da ich weder in der Kunst, noch in der klassischen und aktuellen Musik bewandert bin, aber gerne ein Musikstück nennen würde, mit dem auch die nicht bauchtanzenden Leser etwas anfangen können, muss eine Beschreibung reichen: Ein schnelles, ja fast schon hektisches Geigenstück, relativ hoch, das zugunsten der Geschwindigkeit auch Misstöne in Kauf nimmt. Ein Stück, was den Zuhörer nach einiger Zeit nervös macht und zu Herzrasen führt. Trotzdem faszinierend, schrecklich schön und stets bewundert.

7. Wie entschleunigen Sie am wirkungsvollsten? Was ist nützlich für  Ihre Life-Balance? Worauf achten Sie besonders?

Ganz blöd: Ich brauche 1-2h Fernsehen (Krimiserien ;)) auf dem Sofa mit meinem Abendessen nach meinen Tanzkursen, um runterzukommen. Und für´s Bett ein Hörspiel, auch hier gerne Krimis, es dürfen durchaus auch Drei Fragezeichen-CDs 😉 sein. Hörspiele höre ich seit ich Kind bin, ich habe nie damit aufgehört. Sie haben mir über eine andauernde Einschlafstörung hinweggeholfen, und wenn die CD läuft, bin ich nach 3 Minuten im Reich der Träume.
Wenn ich mal einen freien Tag am Wochenende habe (leider arbeiten Tanzlehrer auch, wenn andere Leute Freizeit haben), nehme ich gerne ein Bad – die Badewanne ist der einzige Ort, an dem ich zum Lesen komme (im Zug sitze ich nicht so oft ;)).

8. Ich behaupte ja, wer seine Berufung gefunden hat, kann sein Lebenstempo entsprechend gestalten. Wie denken Sie dazu?

Stimmt vermutlich. Wer seine Berufung gefunden hat, arbeitet gerne und viel, ohne, dass es belastet. Ich bin selbstbestimmter, habe meine eigene Zeit- und Arbeitseinteilung, die zu mir passt. Gestaltungsspielraum in jeder Hinsicht.

9. Ich habe gelesen, dass wir Kriterien für das „Genug“ definieren müssen, um zeitsoverän zu werden. Was fällt Ihnen hierzu ein?

Zeiten für einzelne Arbeiten kalkulieren, damit man sich nicht verzettelt und am Ende nicht rechtzeitig fertig wird. Und damit Zeit für Regeneration bleibt. Erkennen, wann man nicht mehr kann. Als Tanzlehrerin habe ich die letzten Jahre leider feststellen müssen, dass die körperliche Belastbarkeit einfach nachgelassen hat. Früher konnte ich 20h in der Woche tanzen und unterrichten, heute finde ich 10-12 schon ziemlich anstrengend und „genug“. Dagegen ankämpfen, macht gar keinen Sinn. Manchmal muss man einfach akzeptieren, dass man nicht überall an vorderster Front kämpfen kann.

10. Was mögen Sie noch erzählen … ? Gibt es ein Motto, eine  Lebensweisheit, die Sie uns verraten?

„Mach Dein eigenes Ding“ – richte Dich weniger nach anderen, mach das, was Dir liegt und Dir Spaß macht, nicht das, was andere von Dir erwarten oder was das meiste Geld nach Hause bringt.

Klicken Sie hier zu Melanies Website: www.ot-pur.de

Liebe Melanie, das klingt nach einem sehr spannenden Lebensweg. Ich lese (und das ist die Antwort auf Deine Frage oben), dass zu Deinem Lebenstempo der Bauchtanz, die Bewegung und die Entspannung dazugehören. Außerdem ein Partner und ein Kind. Freiheit. Da brauchts Prioritäten, Energien und viel Freude und Enthusiasmus so wie Du uns das zeigst. Vielen Dank für Deine Antworten, die meine LeserInnen sicher genauso spannend finden wie ich. 

2 Responses to Auf Du und Du mit dem Lebenstempo: 22. Melanie Meier und ihre Tanzschule

  1. Tanzen ist eine wunderschöne Möglichkeit in den Körper-Flow zu kommen, Stress abzubauen und wieder Zugang zu den eigenen Kraftquellen zu bekommen!

  2. Melanie sagt:

    Liebe Petra,
    herzlichen Dank! Interessante Fragen – das Thema Lebenstempo war bisher an mir „vorbeigerauscht“. Danke für´s „Aufmerksam machen“!
    Liebe Grüße,
    Melanie

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