Geglückte Reintegration – 1 Jahr danach. Hongkong – Frankfurt

Heute habe ich folgende Pressemitteilung veröffentlicht:

Frankfurt – Hongkong – Frankfurt. Geglückte Reintegration.

Ein im Ausland lebender Deutscher ist in der Regel ein so genannter „Expat“. Es ist die gekürzte Version für „Expatriate“ und heißt übersetzt: Entsendete/r oder Entsandte/r. Bei Wikipedia steht erklärend „aus dem Vaterland heraus“. Ein Expatriate ist jemand, der vorübergehend oder dauerhaft, aber ohne Einbürgerung in einem anderen Land als dem seiner Abstammung lebt (Auszug aus meinem E-Buch „Dim Sum sind kleine Herzenswärmer“)

Repatriation oder Reintegration bedeutet das Zurückkommen der Entsandten nach 3 oder mehreren Jahren ins Heimatland.

Wie Sie vielleicht wissen habe ich mit meinem Mann fast 3 Jahre in Hongkong gelebt.Ich weiß als „dependant wife“ bzw. „mitgereiste Ehefrau“ aus eigener Erfahrung wie schwierig das Andocken an das „alte Leben“ ist. Die Rückkehr nach Frankfurt am Main jährt sich in wenigen Wochen Ende Juli. Es dauert fast ein ganzes Jahr sich wieder wohl zu fühlen, wirklich „zu landen“.

Ich unterstütze Frauen den Kulturunterschied in einem fremden Land zu meistern. Ich unterstütze aber auch, wenn es darum geht in das Heimatland zurückzukehren. Von vielen Unternehmen unterschätzt ist gerade die Rückkehr in die vertraute Heimat oder auch eine neue Stadt im Ursprungsland wie z.B. Deutschland. Unterschätzt deshalb, weil das Ankommen in der Heimat genauso gemeistert werden will und Zeit benötigt wie der Start im fremden Land, in der fremden Stadt.

Hier im Blog habe ich seit meiner Ankunft im letzten Juli über die „größten Unterschiede“ zwischen Hongkong und Frankfurt geschrieben.

Teil 1 beschreibt die Freundlichkeit, Mückenspray und Sommertemperaturen

Teil 2 informiert über Kirchenglocken und Skype

In Teil 3 geht es ums Taxifahren und andere öffentliche Verkehrsmittel

und in Teil 4 schreib ich über den Frühling, den es in Hongkong nicht wirklich gibt.

Ich bin davon überzeugt, dass gerade die mitgereisten Ehefrauen Unterstützung und Begleitung während der „Rückführung“ benötigen. Sie haben sich auf das fremde Land eingelassen. Haben gearbeitet, mit einer Helferin im eigenen Haus zusammengewohnt, ihre Kinder auf fremde Schulen geschickt, haben sich weiter gebildet, sich sozial und ehrenamtlich engagiert, haben den besonderen Status genossen und haben sich verändert. Sie haben fremde Länder entdeckt, sind gereist, haben Jetlags überwunden und haben Kinder, die bereits Frequent Traveller Karten besitzen. Zurück gekommen in Deutschland gilt das alles nicht mehr. Sie fühlen sich oft unverstanden und allein gelassen mit ihren Erfahrungen, ihren Sehnsüchten, ihren Wünschen, ihren Konflikten.

Bücher und Ratgeber empfehlen nach einem langen Auslandsaufenthalt mit dem Containerschiff nach Hause zu fahren. Man ist nicht innerhalb von 10 oder 12 Stunden Flugzeit zurück am Heimatort sondern fährt gemächlich über die Ozeane. Das dauert bis zu 30 Tage. Jeden Tag kann man neu Abschied nehmen und sich besinnen. Nach der Hälfte der Zeit freut man sich vielleicht auch schon auf den Heimathafen. Die lange Fahrtzeit lädt ein, Resumée zu ziehen, alle Erlebnisse noch einmal Revue passieren zu lassen … Schritt für Schritt.

Ich biete Rituale, Gespräche und offene Ohren für den Prozess des Ankommens / der Reintegration. Es braucht Zeit. Der bekannte Satz von Konfuzius besagt: Auch eine Reise von 1000 Kilometern beginnt mit einem ersten Schritt. So beginnt auch die Landung in der Heimat und das Ankommen mit einem ersten Schritt und dauert mehr als eine Reise lang. Wer diese Zeit bewusst gestaltet, gewinnt mehr als nur schöne Fotobücher, die an exotische Tage erinnern: Selbstbewusstsein, innere Stärke, Authentizität sind nur einige wenige Qualitäten.

Bei meiner Recherche fand ich mehrere Diplomarbeiten, die das Thema Reintegration genauer beleuchten. Unter anderem schreibt Franziska Schmidt in ihrer Arbeit mit dem Titel: „Reintegration von Mitarbeitern nach Auslandsentsendungen”:

Bei der Rückkehr in die Heimat sieht sich der Rückkehrer mit dem Problem konfrontiert, dass er bestimmte soziale Fähigkeiten und Normen der eigenen Kultur vergessen hat bzw. unbewusst die Regeln des Gastlandes in der Heimat anwendet. Dies kann einerseits zu Un- und Missverständnissen bei den Daheimgeblie-benen führen, aber andererseits auch bei dem Rückkehrer zu ‘anxiety (…) in social and work situations when they realize they have forgotten an important social proto-col’ führen. Der Rückkehrer sollte sich bewusst sein, dass er zunächst auch bestimmte soziale und berufliche Interaktionsregeln der Heimatkultur erneut lernen muss und sein Verhalten dementsprechend anpassen muss. Quelle: http://www.diplom.de/katalog/arbeit/12349

Die Autorin Sylvia Bötje analysiert in ihrer Diplomarbeit das Thema wie folgt: “Repatriation: Analyse der Schwierigkeiten bei der Rückkehr von Auslandsmitarbeitern und der dazu vorgeschlagenen psychologischen Modelle”. Quelle: http://www.diplom.de/katalog/arbeit/8953

Haben Sie schon mein E-Buch entdeckt und gelesen? www.dim-sum-sind-kleine-herzenswärmer.de … darin beschreibe ich auch das Abschiednehmen von Hongkong. Es war die beste Zeit meines Lebens 🙂

Die Pressemitteilung ist unter anderem hier zu lesen: http://www.managersbc.com/press.php?id=121

2 Responses to Geglückte Reintegration – 1 Jahr danach. Hongkong – Frankfurt

  1. Iris sagt:

    Hallo Petra,

    sehr schoener Beitrag! Besonders gut gefaellt mir die Idee, die Heimreise per Schiff anzutreten, um langsam Abschied zu nehmen vom Gastland und einer intensiven Lebensphase! Meine Erfahrung zeigt, dass nicht nur das Gastland einen „Kulturschock“ ausloesen kann, sondern auch die Rueckkehr in die eigene Heimat…

    Liebe Gruesse, Iris

    • Hallo Iris, danke für das Erfahrungen-teilen … ja, viele unterschätzen den „Kulturschock“ zurück in der Heimat. Die Heimfahrt mit dem eigenen Container auf dem Schiff wäre die ideale Kombination, ist aber wahrscheinlich selten möglich. Alles Liebe wo auch immer Du gerade lebst.

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