Ritual: Das Zwiegespräch. Die Wahrheit beginnt zu zweit.

31UeTfhziWL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_Ich weiß nicht mehr wann ich das erste Mal von dem Buch „Die Wahrheit beginnt zu zweit“ von Michael Lukas Möller gehört habe. Ich weiß aber noch, dass Elke Heidenreich im Frauenmagazin Brigitte auf dieses Buch in einem Leser-Interview aufmerksam gemacht hat. Mich hat das Buch sofort interessiert und ich hab darin geschmökert und immer wieder drin gelesen. Es hat mich inspiriert.

Es geht darum, dass das Paar sich regelmäßig wöchentlich zu einem Zwiegespräch oder Herzensgespräch verabredet und sich trifft. Am besten immer zur gleichen Zeit. Dann sind Anrufbeantworter ein- und das Handy ausgeschaltet. Man sucht sich einen gemütlichen Platz, sitzt sich gegenüber … und oftmals denke ich: Endlich mal wieder Zeit füreinander!

Jeder hat 45 Minuten Zeit von sich zu sprechen. Alles was mich bewegt, erzähle ich meinem Partner. Er hört zu und darf nur Verständnisfragen stellen .. .keine Kommentare oder sonstiges. Der Partner hört zu. Nach der abgelaufenen Dreiviertelstunde kommt der andere dran und erzählt von sich. Es geht um die Beziehung, um Gefühle und Gedanken, über das was einen bewegt, über das, was zu kurz kam. Wir erzählen uns das, was wir gut aneinander finden, worauf wir stolz sind.

Ich habe das Zwiegespräch zwischenzeitlich in Hong Kong mehreren Frauen empfohlen, die mir erzählten, dass sie oftmals wichtige Entscheidungen mit ihrem Mann zwischen Tür und Angel ausloten … wenn nicht sogar nur am Telefon, weil er ständig auf Reisen ist. Es findet sich bestimmt immer eine Möglichkeit und ein Zeitpunkt, als Paar miteinander ins Gespräch zu kommen.

Seit über 4 Jahren praktiziere ich mit meinem Mann das Zwiegespräch. Ich freue mich jedes Mal neu darauf. Es tut gut, diesen wichtigen Termin miteinander zu haben. Wir wertschätzen ihn beide gegenseitig. Den Rest der Woche können wir dann sehr gelassen miteinander sein … wir wissen ja, das, was uns wichtig ist, hat auf jeden Fall Zeit und Raum im nächsten Zwiegespräch.

Interessanterweise habe ich auch mit meinen Freundinnen inzwischen regelmäßige Termine und Rituale … in der Berufswelt kennen wir den Jour fix … mit dem Vorgesetzten, dem Team oder dem Mitarbeiter. Das Ritual, das sich immer wieder wiederholen kann … darauf ist Verlass, es schenkt Vertrauen, man fühlt sich gewertschätzt.

Kennen Sie solch ein wiederkehrendes Ritual bereits? Welche Erfahrungen haben Sie?

4 Responses to Ritual: Das Zwiegespräch. Die Wahrheit beginnt zu zweit.

  1. Joachim sagt:

    Liebe Petra,

    faszinierend: Möller „Wahrheit …“ war für Gabi und mich der Einstieg in unsere Beziehung – vor 15 Jahren. Und noch immer reden wir viel miteinander und besinnen uns gerne der Strategie der Zwiegespräche, auch ohne festen Termin. Allerdings sind Zwiegespräche furchtbar anstrengend, den anderen nicht kolonialisieren, immer bei sich bleiben. Unsere Beziehung hält es jedenfalls jung und dynamisch.

    Gabi durfte Lukas Moeller bei einem Seminar noch kennenlernen und ist bis heute entsetzt, dass er ein halbes Jahr gestorben war.

    Schön, dass Dir unser Blog gefällt. Wir nehmen Dich natürlich auch gerne in die Blogroll auf.

    Schöne Grüße aus Wolfratshausen
    Joachim

    • Hallo Joachim, dass der Autor Lukas Moeller verstorben ist, habe ich nicht gewusst. Und dass Gabi ihn kennenlernen durfte, ist toll. So bekommt das, was er uns empfiehlt noch mehr Bedeutung. Ich wünsche Euch weiterhin anregende Literatur, interessante Blogbeiträge und viel Dynamik in Eurer Beziehung. Schön, dass Ihr die Zwiegespräche kennt und auch „praktiziert“. In Eurer Blogroll eingetragen zu sein, freut mich!! DANKE!! Herzlich. Petra

  2. Zwiegesprächinteressierter sagt:

    zufällig bin ich auf diese Seite gestossen, weil ich gerade das Buch im netz gesucht und (wieder) bestellt habe. Ich wollte kurz davon berichten, dass das setting auch sehr gut bei anderen paaren funktioniert. ich hatte sehr gute erfahrungen mit meinem musikalischen partner als klavier / gesang – duo. mich hat das buch damals sofort inspiriert eigene wege zu gehen. der ausgangspunkt für den kreativen umgang mit dem setting ist letztlich das auskommen ohne therapeuten und die klärung des settings durch das paar selbst. der springende punkt ist dann vor allem beim liebespaar, dass man das „lassen“ der beziehung als möglichkeit mit einbezieht; das ist ja gleichzeitig die grösste herausforderung bei der sache … dass man das riskiert. – um auf die anwendung als musiker-duo zurückzukommen: das duo hatte sich vorgängig darauf geeinigt, den professionellen rahmen nicht zu verlassen, weil es auch freundschaftliches gab, das nicht mit einbezogen werden sollte. die „tiefe“ des zugelassenen wurde also bewusst beschränkt, weil wir ja 😉 beide nicht riskieren wollten, dass unser duo scheitert und die zusammenarbeit sich ja nicht in einer (offensichtlichen) krise befand. auf jeden fall hatten die zwiegespräche unserer arbeit gut getan und das gegenseitige verständnis, in diesem fall nicht nur dies, sondern auch das praktische verhalten(!) im gemeinsamen musizieren gestärkt und nach vorne gebracht. – – – eine zweite, ungleich herausfordernde und tiefere spur habe ich aus der lektüre heraus aufgenommen, nämlich das setting auf die kaputte beziehung zu meinen eltern ins spiel zu bringen. hier ist es noch nicht zur anwendung gelangt, aber je mehr ich darüber nachdenke, besser: nachsinne, desto adäquater kommt es mir vor, dies auch auf diese konstellation anwenden zu wollen. der kontakt zu meinen eltern und zu zwei von meinen drei geschwistern findet seit zehn jahren nicht mehr statt und meiner seele ist es klar, dass dies eine ungeklärte situation ist, dass sie (meine seele) eigentlich eine klärung möchte … ohne sich „kolonialisieren“ zu lassen. in diesem zusammenhang kommt mir immer und immer wieder in den sinn, dass – so habe ich das in erinnerung(!) seit der letzten lektüre vor ca. 10 jahren – das setting letztlich auch zulässt, dass die beiden beteiligten sich 90 minuten lang schweigend gegenüber sitzen (was auch an die kunstaktion von marina abramovic im MoMa, new york erinnert: „the artist is present“). selbstverständlich ist mir dabei, dass das schweigen absolut nicht bedeuten müsste, dass nichts ausgetauscht würde, vielleicht ganz im gegenteil. hier käme ein weiterer höchst interessanter aspekt des settings ins spiel: ähnlich wie das „ishin – denshin“ konzept im zen-buddhismus könnte eine kommunikation jenseits des verbalen stattfinden. hier wäre auch nicht relevant, ob sich solche erfahrungen verbalisieren liessen, da man an direktesten, nicht verbalisierbaren erfahrungsqualitäten sich befände, deren „wahrheit“ und „tatsächlichkeit“ auch nicht beschrieben, geschweige denn gerechtfertigt werden muss, sondern als direkte seelische erfahrung, ganz im sinne des möllerschen eigenständig aktiven unterbewusstseinskonzept wirkte. – so jetzt bin ich fertig – superspontan geäussert … ich würde mich ausserordentlich freuen, wenn mir jemand antwortet mit dem diese erweiterungen des möllerschen paarbegriffs diskutiert werden könnten.

  3. Petra sagt:

    Hallo lieber Zwiegesprächsinteressierter, schön, dass Sie meine Seite zum Zwiegespräch ganz zufällig entdeckt haben. Ihr Beitrag ist sehr willkommen, anregend und sehr tiefgehend. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Facetten in Ihrem Sinne vertiefen werde. Ich finde es aber sehr interessant, wie Sie die Form des Gespräches nutzen. Ja, warum denn nicht, mit einem gleichgesinnten Kollegen auf Augenhöhe ins Gespräch kommen? Mir gefällt, dass Sie den Rahmen abgesteckt haben und nur das Professionelle im Fokus stand. Ihre Freundschaft hatte hier nichts zu suchen und Sie beide haben in Ihrer Arbeit – der Musik – davon profitiert.

    Nun wird es spannend und sehr facettenreich in Ihren Gedanken, das Setting in der Familie anzuwenden. Vielleicht nicht mal persönlich im 4-Augen-Kontakt, wenn ich das richtig verstanden habe?

    Faszinierend am Buch und am Setting finde ich ja eben auch das Nicht-Gesagte in einer (Paar-)Beziehung. Über was ist man sich non-verbal/im Schweigen einig/uneinig? Was wird verschwiegen und müsste ausgesprochen werden?

    Ich verstehe, dass Ihre Seele eine Klärung möchte für die Familienbeziehungen im „Stillstand“. Sie müssten den Rahmen abstecken mit den beteiligten Personen? Und das „Kolonialisieren“ gut erklären. Ich müsste jetzt auch mal wieder nachlesen. Sie haben mich dazu inspiriert. Außerdem stelle ich diesen Artikel in meinen neuen Blog. Er ist nämlich eines der meistgelesenen Beiträge. Mal sehen wie ich’s mache.

    Berichten Sie uns weiter wie Sie das mit Ihrer Familie angehen wollen. Passt irgendwie zur Advents- und Weihnachtszeit. Denn jeder hat ein Thema mit Familie und Weihnachten.

    Schönen Tag.

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