Gestern hat unser Netzwerknachmittag für Frauen stattgefunden. Als Referentin haben wir Andrea Nispel begrüßt. Sie unterstützt Organisationen und Unternehmerinnen in der Gestaltung ihrer Kooperation und Partnerschaften. Sie arbeitet in mehrsprachigen und interdisziplinären Netzwerken und Teams, die von Respekt und Wertschätzung im Umgang mit Vielfalt geprägt sind. Lesen Sie auf ihrer Homepage mehr.
Das Thema unseres Netzwerknachmittags und die Frage, um die sich alles kreiste:
Was ist meine Leistung wert?
Andrea Nispel stellte diese Frage vielen verschiedenen Personen. Männern und Frauen. Selbständigen und Angestellten. Sie erzählte uns von ihrer Interview-Reihe und welche teilweise verblüffenden Antworten sie erhielt zu dieser spannenden Frage.
Während des Vortrags haben wir unterscheiden gelernt zwischen:
Was verdiene ich (Geld, Anerkennung …)?
Was bekomme ich (welches Honorar/welchen Preis)?
Was ist mein Umsatz? Vor Steuern / nach Steuern?
Die wichtigste Erkenntnis des Nachmittags ist: Die Dienstleistung, die ich anbiete, die biete ICH an und ist mit meiner Persönlichkeit eng verknüpft. Wenn jemand anderes die gleiche Dienstleistung anbietet, dann wird diese im Vergleich zu meinem Angebot anders sein. Vielleicht besser, vielleicht schlechter, aber eben nicht in meiner Art und Weise. Die Ausbildung und das Leben, das ich habe, hat ein anderer nicht, deshalb ist mein Angebot einmalig und einzigartig und hat deshalb einen ganz bestimmten Preis. Wenn ich davon überzeugt bin, dann stehe ich mit guten Argumenten zu meinem Preis/Honorar. Dann kann das niemand “verhandeln”.
Es geht also darum, das Selbstbewusstein zu stärken und seinen Preis zu kennen und dazu zu stehen.
Unterstützend und hilfreich ist eine Tabelle, die uns Andrea Nispel ans Herz gelegt hat: ein Instrument zur Preis- und Zeit-Kontrolle: Wir notieren einige Wochen unsere Tätigkeiten und geben unserem Tun damit einen Wert. Wir dröseln dazu unser tägliches Tun in 15-Minuten-Einheiten auf: Telefonieren, E-Mails-Beantworten, Coaching-geben, Marketing und Akquise, Projekt A bearbeiten, Projekt B strukturieren undsofort … Wieviel Zeit verbringen wir täglich mit welcher Tätigkeit? Und welchen Preis erhalten wir dafür? Wir können so unser Stundenhonorar ausrechnen. Sind wir damit zufrieden?
Die gute Frage, die uns Frau Nispel gleich zu Anfang stellte: Haben wir in unserem Honorar einkalkuliert, dass wir akquirieren und telefonieren, dass wir unterwegs sind, Urlaub machen oder auch mal krank sind, haben wir alle Kosten und auch die Altersvorsorge in der Kalkulation berücksichtigt?
Und nun komme ich auf den Titel zu sprechen. Die Referentin hat zu einem Spiel eingeladen. Welche Gedanken/Wörter assozieren Sie mit den Buchstaben
W
E
R
T
oder mit
G
E
L iebe
D
Interessant, dass vor allem Frauen hier beim Buchstaben “L” Liebe schreiben. Hab ich übrigens auch getan. Wundern Sie sich darüber?
Was ist Ihre Leistung wert?
Liebe Frau Schuseil,
da wäre ich gerne dabei gewesen, es ging leider nicht. Ein weites Feld …
Aber ich bleibe gerne bei der Liebe. Die Stanford-Rede von Steve Jobs ist hinreichend zitiert worden, auch hier geht es um die Liebe, zu dem, was man tut.
Wenn man das liebt, was man tut, ist man gut, dann ist man sein Geld wert. Aber eine andere Denkrichtung geht auch: wenn ich das Leben liebe, werde ich es nicht an Dinge verschwenden, die ich nicht gern tue, oder z.B. nur, weil sie “vernünftig” sind. Und ich werde mir wünschen, dass meine Kunden ihr Leben sinnvoll nutzen, evtl. mit meiner Hilfe. Das ist unbezahlbar, aber auf jeden Fall seinen Preis wert.
Damit sind wir beim pragmatischen Teil, dem “Aufdröseln” (ich glaube, das sollte ich mal machen). Nur zu gerne lassen wir uns einreden, unser idealistisches Wollen bringe eine Leistung hervor, die nicht in Geld zu messen sei. Neben Anerkennung ist Geld die Währung, die unseren Wert zeigt. Und da greife ich gerne zum Beispiel der allein erziehenden Krankenschwester, die beim Ableben oder Genesen des Patienten 20 Euro in die Hand gedrückt bekommt, von ihrem Lohn aber leider ihre zwei Kinder nicht ernähren kann. “‘nough said”, rufen da die einschlägigen Netzgemeinden.
Die Entkoppelung von Geld und ideellem Wert, die auf künstlerischem Sektor die allerlustigsten Blüten treibt (Neo Rauch wird utopisch für Kunstwerke entlohnt, die er noch gar nicht gemalt hat), ist eine Täuschung, schlimmstenfalls eine Selbsttäuschung.
Bleiben wir also dran und fordern den angemessenen Preis für unsere einzigartige Leistung. Das ist in der Kunst übrigens einfacher, da kann ich immer argumentieren, man sei doch nicht beim Metzger und es gehe nicht nach Größe des Objekts. Es geht nach der Liebe, die drin steckt, und die der Betrachter bereit ist, dafür zu entwickeln. Da wird dann auch mal etwas unverkäuflich. Der Rest bleibt unverhandelbar.
Wie gesagt, ich wäre gern dabei gewesen.
Beim nächsten Netzwerknachmittag bin ich dabei und freue mich schon auf die Fragen, die wie Küsse schmecken!
Herzliche Grüße und danke für die Anregung
Ellen Löchner
Liebe Ellen Löchner, interessante Gedanken, die Sie uns hier schenken und die unbezahlbar sind
… Besonders überlegenswert: Was ist eigentlich unverkäuflich?
Schön, dass Sie beim nächsten Netzwerknachmittag dabei sein werden. Schönen Abend noch.
Liebe LeserInnen, liebe Petra, danke für deine – wie immer – schreibkräftige Zusammenfassung unseres Netzwerknachmitags. Ich kann den Gedanken gut folgen und möchte mein “L” aus dem Wort GELD mit Euch teilen, denn ich schrieb nicht “Liebe” sondern “Leidenschaft”. Was eng verbunden ist. “Es ist ein Brand von solcher Art, dass ich brenne, aber nicht verbrenne.” Was ich tue, tue ich von und mit ganzem Herzen (und hoffentlich sehr oft auch mit Verstand). Dafür fordere ich ein Honorar, aber den wirklichen Wert können die Klientinnen nur selbst ermessen. Oft kommt der Wert auch nicht sofort, sondern muss wachsen. Also ich finde, Coaching ist eine gute “Wertanlage” und stabiler als die Börse
Viele Grüße Andrea Mohr
Das gefällt mir gut: Coaching ist eine gute Wertanlage und stabiler als die Börse. Danke für das L für Leidenschaft.
Was für eine phantastische Idee, die Begriffe GELD und WERT einmal anders zu betrachten!
Beispielsweise:
G ganzheitlich
E einfach
L leidenschaftlich
D dem Kunden dienen
W wohlwollend
E einfühlsam
R reichhaltig
T theoretisch und praktisch arbeiten
Liebe Grüsse
Angela Braun
Hallo liebe Angela Braun, klasse. Danke für Ihren wertvollen Beitrag. Ich wünsche ein erholsames Wochenende.
Wenn Arbeit sichtbar gemachte Liebe ist – ist Geld für Arbeit ein natürliches Dankeschön dafür.
Toller Beitrag, liebe Frau Schuseil!
Herzliche Grüße
Annja Weinberger
Liebe Frau Weinberger, danke fürs Kompliment
) … ich hab wunderbare Lehrerinnen rund ums Schreiben …