1. Stell Dich doch bitte kurz meinen LeserInnen vor.
Meine Eltern haben mich auf den Namen Annabelle getauft. 1969 war das für die katholische Kirche nicht christlich genug, also musste noch ein Zweitname her: Beate. Seit meiner Heirat trage ich den Nachnamen meines Mannes, Meinhold. Vor gut einem Jahr habe ich meinen Wörterladen eröffnet. Kein Ladengeschäft, sondern ein virtueller Laden, in dem vor allem kleine und mittelständische Unternehmen und Startups die passenden Worte finden für ihre Öffentlichkeitsarbeit.
Neben der Geburt meines Sohnes im November 2007 war die Eröffnung meines Wörterladens mein zweiter Sprung ins kalte Wasser. Beides habe ich nicht bereut.
2. Was gehört für Dich zum Lebenstempo dazu?
Mein Wörterladen, mein Sohn, mein Mann, der leidige Haushalt, die guten Freunde, meine Leidenschaften: Reisen, Tanzen, Kunst, Lesen….. Die Zutaten bleiben immer die gleichen, nur die Menge und die Präferenzen der Zutaten ändern sich.
3. Wie schnell empfindest Du Dein Lebenstempo auf einer Skala von 0 bis 10? Bist Du mit Deinem derzeit zufrieden?
Derzeit würde ich sagen, ist mein Lebenstempo bei 8 angelangt. Heute habe ich mal wieder gemerkt, wie mein Lebenstempo angezogen hat: Kundenbesuch, Telefongespräche am laufenden Band, Artikel schreiben, Kind aus der Krippe holen, nebenher noch schnell mit einem möglichen Kunden telefoniert und nach Kind bespaßen wieder am PC.
Beschaulich und ruhig war mein Leben noch nie, aber seit ich mich mit meinem Wörterladen selbständig gemacht habe, fühle ich mich wie auf der Überholspur. Mein kleiner Sohn würde sagen „wie ein Porsche…“. Ich habe es schon immer geliebt, unter Druck zu arbeiten, je weniger ich zu tun hatte, umso weniger konnte ich mich motivieren, die Aufgaben anzupacken. Daher bin ich derzeit sehr zufrieden mit meinem Lebenstempo.
4. Wenn Du etwas verändern könntest … was soll sich ab morgen ändern?
Finanzielle Unabhängigkeit wäre toll. Nur noch PR für Menschen, Organisationen, Unternehmen machen, die mein Leben auch emotional bereichern. Ihnen meine Unterstützung zu geben ohne an das Budget zu denken.
5. Mit welchem Tier würdest Du Dein Lebenstempo vergleichen?
Mit dem eines Hasen vielleicht, wendig und schnell, aber nicht kopflos… Wobei ich kein Angsthase bin und nicht nur Salat und Möhren esse.
6. Gibt es ein Bild oder ein Musikstück, das Dein Lebenstempo beschreibt oder das Dir hierzu spontan einfällt?
Ein Kandinsky – ein Werk aus seiner Reihe „Kompositionen“ – bunt, expressiv, auf den ersten Blick verworren, aber bei näherem Betrachten strukturiert – eben komponiert.
7. Wie entschleunigst Du am wirkungsvollsten? Was ist nützlich für Deine Life-Balance? Worauf achtest Du besonders?
Abseits von meinem Wörterladen, Kunden & PR kann ich sehr gut abschalten. Das ist auch wichtig. Bei der Familie wieder Energie tanken, sich mit guten Freunden treffen oder einfach mit einem guten Buch in meiner geliebten Leseecke verschwinden. Sich noch Zeit für sich und den Partner zu nehmen, das ist wichtig. Und PR auch mal PR sein zu lassen – auch wenn mir das in der Selbständigkeit um einiges schwerer fällt als damals im Angestelltenverhältnis.
8. Ich behaupte ja, wer seine Berufung gefunden hat, kann sein Lebenstempo entsprechend gestalten. Wie denkst Du dazu?
Ich denke, einen Teil des Lebenstempos kann man immer selbst bestimmen – wenn es hart auf hart kommt, sagt dir dein Körper, wann es Zeit ist, das Tempo zurückzudrehen. Doch es gibt einfach Dinge, die man nicht selber in der Hand hat. Habe ich meine Berufung als Mutter gefunden, lenkt mich mein Kind, ich muss mich an ganz neue Tagesabläufe gewöhnen, die ich mir bis dahin nicht ausgemalt habe. Habe ich meine Berufung als PR-Beraterin gefunden, dann lenken mich meine Kunden, der Markt etc. Das Lebenstempo dabei nicht ganz aus der Hand zu geben, das ist die Kunst.
9. Ich habe gelesen, dass wir Kriterien für das “Genug” definieren müssen, um zeitsouverän zu werden. Was fällt Dir hierzu ein?
Ich bin ein Mensch, der sowohl körperlich als auch geistig noch nicht an seine Grenzen gestoßen ist. Ein „Genug“ zu definieren, ist mir daher bisher noch nicht in den Kopf gekommen. Genug, das ist ein Wort, was ich derzeit oft zu meinem kleinen Sohn sagen muss. Ihm seine Grenzen aufzuzeigen, ohne ihn in seiner geistigen und körperlichen Entwicklung einzuschränken, das ist nicht so einfach. Das einzige Genug, was ich für mich definieren sollte, ist der Zeitpunkt, meinen Wörterladen abends zu „schließen“, indem ich meinen PC herunterfahre, um wenigstens noch ein bisschen Zeit zu zweit zu haben.
10. Was magst Du noch erzählen … ? Gibt es ein Motto, eine Lebensweisheit, die Du uns verrätst?
Spaß haben an dem, was man tut – jeden Tag aufs Neue. Und diesen Spaß mit einem Menschen teilen, dessen Lebenstempo dem deinen gleich kommt.
Liebe Annabelle, herzlichen Dank für Deine Antworten. Ich freue mich, dass wir uns in München persönlich kennenlernen konnten … “unsere” Teestube wartet schon auf ein 2. Mal
[...] Schwabinger Teehaus. Genau das passende für unsere Gespräche. Nun hat sie mich zu einem Interview auf ihrem Blog eingeladen. Das Thema natürlich: mein eigenes Lebenstempo. Da musste ich erst [...]
[...] Meinhold, 40 Jahre, verheiratet mit Annabelle Meinhold, die Sie auch bereits hier vorgestellt haben. Zusammen haben wir einen Sohn, Daniel, 2 Jahre und 9 [...]