Auf Du und Du mit dem Lebenstempo. 5. Martina Velmeden

1. Stellen Sie sich doch bitte kurz meinen LeserInnen vor.

Ich heiße Martina Velmeden, bin 44 Jahre alt und Mutter von zwei Söhnen, 11 und 16 Jahre. Beruflich leite ich seit fast 12 Jahren meine eigene Firma, lineaRIVA, mit der ich rund um das Thema Einrichtung Möbel, Textilien und Accessoires entwerfe. Ich lasse diese Dinge in Auftragsarbeit fertigen und vertreibe sie per Laden, Katalog, Internetshop und Outlet.

2. Was gehört für Sie zum Lebenstempo dazu?

Zu meinem Lebenstempo gehören meine beiden Söhne, mein Lebenspartner, der die große Liebe meines Lebens ist, meine Firma, in der sich (noch) zu viele Bereiche auf meinen Schultern befinden, meine Liebe zu Asien und zum Reisen generell sowie zu Gärten und der Natur.

3. Wie schnell empfinden Sie Ihr Lebenstempo auf einer Skala von 0 bis 10? Sind Sie mit Ihrem derzeit zufrieden?

Auf der Skala von 1 bis 10 empfinde ich mein Leben derzeit so um die 9, wobei ich den Sonntag einer verordneten 3 zuordnen würde. Ich strebe eine 5 oder 6 an, habe jedoch die Gabe, im Alltag immer wieder momentweise eine 2 zu erleben, für kleine Zäsuren mit allen Sinnen empfänglich zu sein.

4. Wenn Sie etwas verändern könnten … was soll sich ab morgen ändern?

Wenn ich etwas ab morgen verändern könnte, dann wäre mein größter Wunsch neben dem Sonntag ein zweiter freier Tag in der Woche, um mein Lebenstempo zu entschleunigen.

5. Mit welchem Tier würden Sie Ihr Lebenstempo vergleichen?

Da ich berufsbedingt ein Alphatier sein muss, ob mir immer danach zu Mute ist oder nicht, müsste es ein Tier sein, das die Eigenschaften eines Alphatiers braucht und diese auch lebt, um das Rudel oder die Herde zu führen und zu beschützen. Ich denke da an einen Löwen. Zu Mute ist mir jedoch oft nach der Variante, wie es die Schneegänse handhaben. Eine fliegt an der Spitze der Formation, eine andere übernimmt, wenn die Kräfte nachlassen und kehrt dann zurück zur Spitze.

6. Gibt es ein Bild oder ein Musikstück, das Ihr Lebenstempo beschreibt oder das Ihnen hierzu spontan einfällt?

Es ist mal der Bolero, mal der Jive, es kann ein gregorianischer Choral und auch mal Salsa oder die Wassermusik von Händel.

7. Wie entschleunigen Sie am wirkungsvollsten? Was ist nützlich für Ihre Life-Balance? Worauf achten Sie besonders?

Ich schaffe es, fast immer in der Gegenwart zu leben und empfänglich für schöne Augenblicke: die Natur, ein gutes Essen, ein Kaffee in der Sonne, ein Rundgang auf dem Markt oder dem Lauschen der Kirchturmglocken zu sein. Lachen und gute Gespräche mit meinen Kindern schenken mir Liebe und Kraft und entschleunigen den Tag. Ich habe das Glück,  eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen, in der ich auch die erprobte Gewissheit habe, aktiv gestalten zu können. Auch diese Beziehung gibt mir Liebe und Kraft und entschleunigt ungemein und macht mich dankbar. Dankbarkeit überhaupt entschleunigt meine Gedanken. Dankbarkeit für meine Fähigkeiten sowie für das, was ich im Leben zu schätzen weiß und für die Ziele, die ich habe, weil Ziele zu haben, für mich Leben bedeutet.

8. Ich behaupte ja, wer seine Berufung gefunden hat, kann sein Lebenstempo entsprechend gestalten. Wie denken Sie dazu?

Mein Beruf ist Berufung und Leidenschaft zugleich. Ich kann in meiner Arbeit aufgehen wie ein Kind, das beim Spielen alles um sich herum vergisst. Doch eigener Anspruch und Wirklichkeit wirken als Beschleuniger des Lebenstempos. Berufung bringt auch eine Eigendynamik mit, die sich nicht immer zeitnah beeinflussen lässt. Es ist somit mehr ein täglicher Versuch neben allen Anforderungen und Erwartungen von Kunden, Mitarbeitern dem Markt sowie den eigenen Erwartungen, mein Lebenstempo zu gestalten. Seitdem ich mich mehr mit dem Thema Selbstführung befasse, gelingt es mir besser, das Tempo zu beeinflussen.

9. Ich habe gelesen, dass wir Kriterien für das “Genug” definieren müssen, um zeitsoverän zu werden. Was fällt Ihnen hierzu ein?

Die Kriterien zu dem GENUG muss in der Theorie jeder für sich selbst definieren und in der Praxis versuchen, umzusetzen. Damit ist schon fast alles gesagt. Das Handwerkszeug dafür verdanke ich einem mehrjährigen, regelmäßigen Coaching im Bereich Selbstführung. Es ist nicht nur daran, das GENUG zu definieren und umzusetzen, es ist auch das WIE. Wir leben in verschiedenen Systemen wie Familie, Ehe, Firma, Verein etc. und daher auch in verschiedenen Rollen. Das GENUG muss in jedem System anders definiert und umgesetzt werden. Ich versuche mich jeden Tag aufs Neue daran.

10. Was mögen Sie noch erzählen … ? Gibt es ein Motto, eine Lebensweisheit, die Sie uns verraten?

Meine Großmutter hat mich sehr geprägt. Sie gab mir Sinn für den Augenblick und schärfte mein Auge für das Schöne, das mir täglich begegnet, ohne dass ich Eintritt zahlen müsste. Mein persönliches Glück kommt plötzlich und oft unspektakulär und duftet manchmal nur nach Espresso…

Liebe Frau Velmeden, vielen Dank für Ihre sehr offenen Worten … auch über die Liebe und die Dankbarkeit. Weiterhin viel Erfolg mit sicher sehr zufriedenen KundInnen.

Eine Antwort zu Auf Du und Du mit dem Lebenstempo. 5. Martina Velmeden

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